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WAZ-Fanpost - Widdewiddewit & Witter

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Liebe Leserinnen und Leser,

…dass uns Corona und die Regeln zur Bekämpfung der Pandemie in unseren persönlichen Freiheiten beschränken, ist längst ein Teil unseres Alltags geworden, mit dem jeder und jede von uns klarkommen muss, den einen gelingt es besser, den anderen weniger gut. Wie Fußball-Profis mit diesen Einschränkungen umgehen, steht dabei immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit – weil viele Dinge, die ein Berufsfußballer auch außerhalb des Platzes tut, besonders beäugt werden. Neue Freundin, neues Auto, neue Frisur, die Grenzen zwischen dem, was privat bleiben sollte, und dem, was den Fan dennoch interessiert, sind fließend. Den Umgang damit müssen die Fußballer selbst finden, und nicht wenige von ihnen steuern mittlerweile das, was man über sie wissen darf, über die sozialen Medien zu einem großen Teil selbst.

Und dann passieren Dinge, wie sie gerade Marin Pongracic und John Anthony Brooks widerfahren sind. Gewohnt, auch ohne Corona in einer besonderen Blase zu leben, legen sie offenbar Regeln auf ihre Weise aus. Das Schlimme daran ist nicht, dass die beiden Verteidiger des VfL Wolfsburg sich womöglich für etwas „Besseres“ halten und deswegen glauben, anders mit Corona-Restriktionen umgehen zu können als Otto-Normal-Lockdown-Leidende; denn wir wissen ja nicht, was wirklich in ihren Köpfen vorgeht. Das Schlimme an den Geschichten über Corona-Verstöße von Fußballern ist, dass sie genau diesen Verdacht zulassen: Ich bin Fußball-Profi, ich mach‘ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt. Kann sein, dass das alles gar nicht so wild war. Aber ich verstehe jeden und jede, der oder die sagt: Ich kann Oma nicht besuchen, ich kann meinen Laden nicht aufmachen, ich kann nicht in den Urlaub fahren, ich muss mit meinem instabilen Internet von daheim arbeiten – und die leben einfach weiter, als sei nichts gewesen. Das fühlt sich wie ein Tritt ins Gesicht an.

Dass der VfL schnell mit einer Stellungnahme reagiert – gut. Dass es keine persönlichen Erklärungen der beiden Spieler dazu gibt – schlecht. Der Fußball hat, Hygienekonzepte hin, wirtschaftliche Notwendigkeiten her, ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das haben die beiden Spieler nicht zu verantworten, da können sich andere – vom FC Bayern bis zu den Verbänden – dran abarbeiten. Aber wenn es um die Bekämpfung dieses Glaubwürdigkeitsproblems geht, haben Pongracic und Brooks, die sich auch noch von wohl eher weniger guten Freunden haben filmen lassen, allen einen Bärendienst erwiesen: sich selbst, ihren Mitspielern, ihrem Verein und nicht zuletzt auch den Fans.

Immerhin: Das geleakte Video mit den VfL-Spielern hat wenigstens für einen Tag ein Thema verdrängt, das dem Verein kaum minder unangenehm ist: die immer noch ungeklärte Frage nach der Zukunft von Trainer Oliver Glasner. Wie zuvor Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer hat nun auch Aufsichtsrats-Chef Frank Witter klargemacht, dass er mit einem Verbleib des Trainers in Wolfsburg rechnet. Der Einzige, der sich noch nicht so klar positioniert hat, ist Glasner selbst. Dass er in Kontakt mit Borussia Mönchengladbach stehe, hat er dementiert – gesichert ist seine Zukunft deswegen noch lange nicht. Kurz zusammengefasst: Es bleibt spannend – und es wird uns länger beschäftigen als die Corona-Verstöße von Pongracic und Brooks.

Witter, Noch-VW-Vorstand, hat noch zu viel mehr Themen Stellung bezogen – im großen Interview, das am Samstag in der AZ/WAZ erscheint, und das sie seit wenigen Minuten schon im SPORTBUZZER lesen können. Eine der Fragen: Wie stark ist der VfL bei VW verankert, wenn Witter selbst demnächst nicht mehr Teil der Volkswagen-Führung ist? „Die enge Verbindung zwischen dem VfL und VW basiert auf einem breiten Fundament“, sagt er. Das mag wie ein eher unbedeutender Nebensatz klingen, aber an der Frage, ob er Recht behält, hängt viel. Denn seit der Amtszeit von Martin Winterkorn als VW-Chef haben wir gelernt: Je mehr sich die Führung der Autobauer ehrlich und mit echtem Engagement für die Fußball-Tochter interessiert, desto besser geht es mit dem VfL. Und das hat nicht nur mit Geld zu tun, sondern mit dem identitätsstiftenden Zusammenspiel zwischen Werk, Stadt und Verein, das den Kern der Wolfsburger Fußball-Seele bildet.

Dieser Seele geht es insgesamt gerade gut, während es der Seele der Schalker gerade sehr schlecht geht. Ein Klub, dem immer schon nachgesagt wurde, er habe nicht nur leidensfähige, sondern auch leidenswillige Fans. Einer davon gehört seit 1993 zur AZ/WAZ-Sportredaktion – und ist schon viel länger glühender Fan der Königsblauen. Die persönliche Sicht von Maik Schulze auf „seinen“ Klub lesen Sie am Samstag in der AZ/WAZ und im SPORTBUZZER.

Dort werden auch die VfL-Fußballerinnen einen großen Raum einnehmen – kein Wunder, denn für Wolfsburgs erfolgreichste Mannschaft brechen jetzt, wie jedes Jahr im März, die entscheidenden Wochen an. Champions League, Pokal, Meisterschaft: Seit 2013 haben die VfLerinnen jedes Jahr mindestens einen Titel geholt, meisten sogar zwei, einmal deren drei. In dieser Saison, so scheint es, könnten sie sich an Bayern München die Zähne ausbeißen. Besonders prickelnd: Neben dem Bundesliga-Duell mit dem FCB im Mai könnte es gleich drei (!) weitere direkte Aufeinandertreffen geben, eines im Pokal, zwei in der Champions League. Und unabhängig vom Ausgang, wäre es jedes Mal ein Highlight.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Flick, Klopp, Labbadia, Neid? Die Favoriten der heimischen Coaches auf die Löw-Nachfolge
Wenn der VfL Wolfsburg spielt, ist dieser Fan gerade erst aufgestanden
Vor einem Jahr: Das erste Wolfsburg-Tor, das (fast) keiner bejubelte
Trainerteam um Michael Spies verlängert bei Oberligist MTV Gifhorn
Es geht wieder ans Gehalt: So planen die Grizzlys Wolfsburg für die neue Saison
Mein Satz der Woche:

 „Mario Basler? Ob der die nötige Kompetenz hat, weiß ich nicht. Aber wir hätten immer super Interviews nach den Spielen.“
Lars Ebeling, Trainer des VfB Fallersleben, über einen möglichen Löw-Nachfolger.

Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!

Andreas Pahlmann

AZ/WAZ-Sportredaktion

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