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WAZ-Fanpost - Von Maximilian bis Middlesbrough

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Liebe Leserinnen und Leser,
…der aktuelle Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist komplett unsinning zusammengestellt, denn da fehlen Maximilian Arnold/Kevin Volland/Thomas Müller (suchen Sie sich einen aus). Der Bundestrainer hat sowieso keine Ahnung und gehört geteert/gefedert/gefeuert.
Der Kommentator des Fußballspiels da gerade im Fernsehen ist komplett blind, redet viel zu laut/zu leise, verwechselt unseren Rechtsaußen mit unserem Linksaußen und macht unsere Mannschaft permanent mies, offenbar ist er Fan von Borussia Dortmund/FC Bayern/Eisstockschießen.
Die Menschen, die die aktuelle Corona-Politik verantworten, sind komplett ahnungslos/intrigant/geldgeil und dass ausgerechnet meine, nur mich selbst betreffenden persönlichen Freiheiten eingeschränkt werden, ist ein Skandal/von Bill Gates gesteuert/mal wieder typisch.
Und natürlich könnte ich das alles viel besser, denn ich bin der geborene Nationaltrainer/ Fernsehkommentator/Pandemie-Politiker. Dass ich nichts von alledem wirklich kann oder gar gelernt habe, und dass ich Zusammenhänge und Handlungsweisen zumeist weder verstehe noch verstehen will, ist egal. Stattdessen habe ich ja Facebook.
Seit die sozialen Medien unsere Diskussionen zu bestimmen glauben (und auch wir Medien darauf immer wieder gern reinfallen), gehört Aufgeregtheit zum Tagesgeschäft. Und statt Argumente abzuwägen, werden die Vertreter und Vertreterinnen der Gegenmeinung einfach mal abqualifiziert. Wer anders denkt, ist doof. Dass Joachim Löw weiterhin auf Wolfsburgs Arnold verzichtet, ist da ein schönes Beispiel.
Nicht falsch verstehen: Ich finde, er hätte ihn berufen sollen, der VfL-Mittelfeldmann hätte ein prima Backup für Bayern-Star Josuha Kimmich sein können. Aber, und das kommt bei aller Aufgeregtheit eben oft genug zu kurz: Es gibt auch sehr gute Argumente, ihn nicht zu nominieren. Die Konkurrenzsituation beispielsweise – immerhin gehören Toni Kroos, Ilkay Gündogan und eben jener Kimmich zum Besten, was es in Europa auf der Arnold-Position gibt. Und dass ein Bundestrainer angefeindet wird, weil er diesen oder jenen Spieler mitnimmt und dafür andere nicht, gab es schon immer.
Sepp Herberger bekam öffentlich Druck, weil er auf einen Kaiserslautern-Block setzte, obwohl die Pfälzer gerade das Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Hannover mit 1:5 verloren hatten - trotzdem wurde er 1954 Weltmeister. Helmut Schön ließ Günter Netzer, den wohl begnadetsten deutschen Fußballer seiner Zeit auf der Bank - trotzdem wurde er 1974 Weltmeister. Franz Beckenbauer hielt an Klaus Augenthaler als Libero fest, obwohl mit Thomas Hörster, Stefan Reuter, Holger Fach, Alois Reinhardt oder Manfred Binz formstabilere Alternativen da gewesen wären - trotzdem wurde er 1990 Weltmeister. Und als Löw es tatsächlich wagte, nur einen einzigen echten Stürmer zu nominieren, schwappte ein Sturm der Entrüstung durchs Land - trotzdem wurde er 2006 Weltmeister.
Wer darf für Deutschland spielen? Dass diese Frage emotional diskutiert wird, mit Fan-Brille auf und mit einem dem Fußball eigenen Maß an Unsachlichkeit, ist gut, schön und soll auch bitte so bleiben. Doch die offenbar zum Zeitgeist gehörenden Aufgeregtheiten, die wir eben gern auch bei Diskussionen um TV-Kommentatoren und Corona-Regeln (und das sind nur zwei beliebige Beispiele) finden, dürfen gern kleiner werden.
Ansonsten gilt: In Corona-Zeiten muss man flexibel bleiben, dann kommt man besser mit den Rahmenbedingungen klar. Dass die Grizzlys Wolfsburg ihre Test-Strategie anpassen - ein dafür nur kleines, aber sehr anschauliches Beispiel. Und dass die Allgegenwärtigkeit des Infektionsrisikos den Alltag aller bestimmt, muss man wahrscheinlich nicht mehr betonen – aber diese Allgegenwärtigkeit rückt immer dann wieder stärker ins Blickfeld, wenn Prominente wie VfL-Manager Jörg Schmadtke betroffen sind.
Dass der Fußball auch ohne Corona irre Geschichten schreiben kann, hat mein Kollege Jürgen Braun eindrucksvoll erfahren – und aufgeschrieben. Russ Dobison und Phil Jarvis aus Middlesbrough in England sind nicht nur glühende VfL-Fans, sondern auch regelmäßige Besucher in der VW-Arena. Wie sie das wurden, und worunter sie gerade besonders leiden, lesen Sie am Samstag in der AZ/WAZ und im SPORTBUZZER.
Und wo wir gerade bei Reisen und England sind: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg tragen ihr Champions-League-Hinspiel gegen Chelsea in Budapest aus. Ihr Auswärtsspiel gegen denselben Gegner findet ebenfalls in Budapest statt. Ausweichen nach Ungarn – das ist im europäischen Fußball-Zirkus fast schon Standard geworden, darum merken wir da gar nicht mehr groß auf. Weniger irre wird es dadurch allerdings nicht.
Wolfsburgs Männer, immerhin das bleibt einigermaßen normal, spielen am Samstag gegen Werder – in Bremen, wie sich das gehört. Was sie dazu wissen müssen, finden sie unter anderem hier, hier und hier. Ein Detail können wir an dieser Stelle noch ergänzen: Seit dem vergangenen Wochenende kann der VfL rechnerisch nicht mehr absteigen! Ein Fakt übrigens, den wir in den ersten Bundesliga-Jahren des VfL stets regelmäßig in der AZ/WAZ vermeldet haben. Zuletzt hatte diese Rechen-Spielerei gleich mehrere Jahre in Folge glücklicherweise keinerlei Bedeutung mehr.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Wolfsburg-Planungen laufen: Flügelspieler soll kommen, Brasilien-Klub will Victor
Kann Wolfsburg-Shootingstar Lacroix für 30 Millionen Euro gehen? "Das stimmt nicht"
MTV Isenbüttel verstärkt sich mit einem Platendorf-Quartett
Hillerses Ehresmann trägt Balotelli-Nummer und möchte kein anderes Trikot mehr
BV Gifhorn: Terminplan da, zwei Asse weg, Ziel Aufstieg bleibt
Mein Satz der Woche:

„Ich kann mir das Resultat nicht aussuchen - wenn wir gewinnen, ist mir jedes Resultat recht.“
Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, zum Spiel bei Werder Bremen.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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