Profil anzeigen

WAZ-Fanpost -Tradition & Trainerwechsel

WAZ-FanpostWAZ-Fanpost
WAZ-Fanpost
Liebe Leserinnen und Leser,
…dass mit der Geschichte und der Tradition ist ja immer so eine Sache, vor allem im Fußball. Dortmund gegen Leipzig, das Pokalfinale am Donnerstag, war für viele so etwas wie das Duell Romantik gegen Neureich, echtes Herz gegen Kommerz, Dortmund gegen Leipzig. Und dann wird gern eine Trennlinie gezogen, zwischen den „Guten“ auf der einen und Klubs wie RB, 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg auf der anderen Seite. Doch man muss nur einen kurzen zweiten Blick werfen, um zu merken, wie unsinnig das ist. Die VfL-Wolfsburg-Fußball-GmbH etwa hat mit der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA viel mehr gemein als mit Rasenball Leipzig e.V. - strukturell und historisch. Die Bundesligisten in Dortmund, Wolfsburg und auch in Leverkusen sind stark mit ihrer Stadt verwachsen, der VfL durch das sehr spezielle Dreieck von Eigner VW, Stadtgeschichte und Fußball sogar mehr als jeder andere Erstliga-Klub. RB Leipzig dagegen ist ein sehr spezielles – extrem gut geführtes und erfolgreiches – Vereinskonstrukt, für das es kein Beispiel gibt. Und 1899 Hoffenheim, mit einem Mäzen an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Fußball, ist wiederum ganz anders entstanden und gewachsen.
Auch die Frage der Tradition ist vor allem eine Frage der Sichtweise. Für Menschen wie mich, die den Fußball in der 70ern kennengelernt haben, sind der 1. FC Nürnberg, der Karlsruher SC oder auch der MSV Duisburg große und wichtige Vereine. Einem knapp Zehnjährigen dagegen, der gerade anfängt, Fußball zu verstehen und zu lieben, muss man erklären, dass der Hamburger SV früher mal Erstligist war. Und wer mit 13 oder 14 Jahren heute RB-Leipzig-Fan ist, für den ist das am Sonntag anstehende Spiel zwischen seinem Klub und dem VfL Wolfsburg ein Duell mit viel Geschichte. Zum 15. Mal stehen sich beide „Vereine“ in einem Pflichtspiel gegenüber, gegen keinen anderen Gegner spielte der frischgebackene Vizepokalsieger häufiger. Wenn man hier eine Trennlinie ziehen will, dann steht der VfL für Tradition – denn er wurde wenige Tage nach der RB-Vereinsgründung 2009 schon deutscher Meister, gehört zu den 18 besten Teams der Liga-Geschichte und ist mit seinem Eigner und Hauptsponsor allein schon durch den Standort organisch verbunden. RB Leipzig dagegen ist – und das ist hier wertfrei gemeint – aus der Idee einer Firma entstanden, die mit der Stadt Leipzig eher wenig zu tun, es aber dennoch geschafft hat, die Menschen vor Ort nachhaltig für Bundesliga-Fußball zu begeistern.
Beim direkten Duell am Sonntag gibt es noch ein ganz anderes Gefälle: Für den VfL geht es um viel mehr als für die Leipziger, die die Teilnahme an der Champions League schon sicher haben. Wolfsburgs 3:0 am vergangenen Wochenende gegen Union Berlin zeigte wieder einmal, dass sich die VfL-Kicker weder vom Druck des großen Ziels noch von der anhaltenden Diskussion um die Zukunft ihres Trainers beeindrucken lassen. Das macht auch für das Leipzig-Spiel Mut, auch wenn die Bilanz für die Niedersachsen eher niederschmetternd ist. Von den bisher 14 Duellen hat der VfL erst drei gewonnen, eines im Pokal (2015), zwei in der Bundesliga (2017 und 2018). In den vergangenen sieben Spielen gegen Leipzig gab es keinen Sieg. Das ist die eine Wahrheit. Die andere ist, dass der VfL noch nie einen Gegner hatte, der drei Tage vor der Partie ein DFB-Pokalfinale verloren hat…
Während beim VfL die Trainerfrage offen ist, wurde sie ein paar Meter von der VW-Arena entfernt schnell geklärt: Pat Cortina muss beim deutschen Eishockey-Vizemeister Grizzlys Wolfsburg gehen, Mike Stewart kommt. Der Neue ist ein spezieller Typ, war schon als Spieler durchaus rauflustig, ließ sich in einer Box-Schule trainieren, kommt aus einer Familie von Farmern und Rodeo-Reitern. Was er mit den Grizzlys vorhat, verriet er unserem Kollegen Jürgen Braun in einem gleichermaßen interessanten wie unterhaltsamen Interview.
Und wo wir gerade bei unterhaltsamen Interviews sind: Erik Meijer ist da immer eine Bank. Wer den Ex-Profi und Sky-Experten einmal kennengelernt hat, der weiß: Er ist im echten Leben nicht anders als im Fernsehen. Gradlinig, schlagfertig, humorvoll, viel Sachverstand, ohne dabei den Fußball ernster zu nehmen als nötig – so erlebte ihn unser Kollege Engelbert Hensel auch im Interview, in dem es natürlich auch um Meijers niederländischen Landsmann Wout Weghorst ging, der offenbar doch noch den Sprung in den EM-Kader seines Heimatlandes schafft. Auch Ridle Baku hat weiter gute EM-Chancen, in der kommende Woche wird der deutsche Kader nominiert. Für Renato Steffen hingegen ist der EM-Traum geplatzt, der Kreis der Wolfsburger Teilnehmer an der Euro lässt sich damit schon jetzt relativ gut umreißen: Weghorst, Baku, das Schweiz-Duo Admir Mehmedi und Kevin Mbabu, Josip Brekalo, Xaver Schlager, Pavao Pervan und Koen Casteels: Es könnte ein aus Wolfsburger Sicht spannendes Turnier werden.
Mindestens genauso spannend: Das neue Nachwuchsfußball-Konzept des VfL. Keine U23 mehr, keine Mannschaft unterhalb der U14, stattdessen Kooperationen mit einem österreichischen Erstligisten und vier Klubs aus der Region. Weil dieses Konzept in den nächsten Jahren den Fußball in und rund um Wolfsburg verändern wird, haben wir es aus vielen Blickwickeln beleuchtet – unter anderem aus Sicht der VfL-Partner, der Kreisverbände und natürlich auch aus der Sicht des Bundesligisten selbst.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Wolfsburg lässt Lacroix nicht gehen und plant mit MacNulty
Serie: Vor wem Grizzly-Verteidiger Armin Wurm den Hut zieht
Handball: Wolfsburg freut sich auf Anna Sauer und ihre Wurfkraft
Ab nach Iowa: Bezirksliga-Fußballer will Profi in den USA werden
VfL-Sprinter Almas: Die Jagd aufs Einzel-Ticket für Olympia beginnt
Mein Satz der Woche:

“Ich schätze ihn sehr, obwohl er Torwart war.”
Sky-Experte Erik Meijer über VfL-Manager Jörg Schmadtke.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.