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WAZ-Fanpost - Statistische Weisheiten und treffende Quoten

Liebe Leserinnen und Leser, für mich war Fußball immer auch ein Spiel der Zahlen. Lange bevor ich zu
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Liebe Leserinnen und Leser,

für mich war Fußball immer auch ein Spiel der Zahlen. Lange bevor ich zum ersten Mal in einem Stadion war, habe ich Bundesliga-Tabellen studiert, Ergebnislisten durchgeschaut und mich durch Statistiken gewühlt. Kaum dass ich lesen konnte, war ein Buch zur WM 1974 mein größter Schatz, und ich konnte Stunden des Glücks damit verbringen, dort alles Mögliche im Anhang nachzulesen: Australien etwa wäre beinahe in der Qualifikation gescheitert - erst am Irak, dann am Iran -, während sich Zaire am Ende doch recht klar durchsetzte, gegen Kamerun zuvor aber fast gestrauchelt wäre. Was ich über Geografie weiß, weiß ich zu größtem Teil durch Länderspiele, und bis heute ist ein Land für mich erst dann ein richtiges Land, wenn es eine Fußballnationalmannschaft hat, die irgendwo Zahlen hinterlässt.

Die Faszination für Zahlen im Fußball ist stets geblieben - und so gesehen, macht mir der VfL Wolfsburg gerade ziemlich viel Freude. Seinen 300. Bundesliga-Sieg hat er gegen Werder Bremen eingefahren - gegen diesen Gegner hatte es auch schon den 200. Sieg gegeben. Acht Tore fielen bei diesem 5:3, nur zwölf Mal gab es bei Bundesliga-Spielen mit Wolfsburger Beteiligung acht oder mehr Tore, vier Mal hieß der Gegner Bremen. Drei Bundesliga-Spiele hat Wolfsburg nun nacheinander gewonnen - das gab es unter Trainer Oliver Glasner noch nie. Neun Spieltage ist die Liga-Saison schon alt - und verloren hat der VfL kein einziges Spiel, am Samstag in Köln kann er auf runde zehn Ungeschlagen-Spiele kommen und damit einen neuen Wolfsburger Startrekord aufstellen.

Damit wir bei solchen Zahlenspielen richtig liegen, fragen wir immer gern in Frankfurt nach, wo der freie Sportjournalist Udo Muras eine der besten deutschen Fußball-Datenbanken aufgebaut hat und auch den DFB, große Tageszeitungen und TV-Sender regelmäßig mit Zahlen beliefert. Dass gerade ich besonders gern mit ihm über Fußball rede, versteht sich nach dem ersten Absatz dieser Fanpost ja quasi von selbst…

Außer für Zahlen schlug mein Fußball-Herz immer auch schon für Torjäger, von Gerd Müller über Horst Hrubesch bis Grafite. Zu meinen aktuellen Favoriten gehört Romelu Lukaku, der 2014 fast mal beim VfL gelandet wäre und aktuell für Inter Mailand Tore schießt. So grafitschig wie der Belgier den Ball immer wieder mit all‘ seiner Physis ins Tor zwingt, habe ich das seit Grafite nicht mehr gesehen, in dieser Woche zum Leidwesen von Borussia Mönchengladbach. Statt Lukaku kam übrigens damals Nicklas Bendtner zum VfL, einer der am meisten überschätzten europäischen Fußballer der letzten 20 Jahre. Aber das nur nebenbei.

Wesentlich mehr Spaß hat der VfL mit Grafites Nach-Nach-Nach-Nachfolger Wout Weghorst – und auch das hat mal wieder mit Zahlen zu tun. Denn mit jetzt 39 Bundesliga-Treffern hat der Holländer den ehemaligen VfL-Rekordtorjäger Andrzej Juskowiak eingeholt, nur Edin Dzeko, Grafite und Diego Klimowicz trafen häufiger für Wolfsburg. Rechnet man aus, wie viele Tore die Top-Stürmer pro Spiel erzielt haben, liegt Weghorsts Quote (0,52) übrigens nur knapp hinter der von Dzeko (0,59) und Grafite (0,55) und knapp vor Fernando Baiano, der 2003/04 im Schnitt in jedem zweiten Spiel für den VfL traf und damit auf eine Quote von 0,50 kam. Das Dumme an Weghorsts Treffsicherheit: Spätestens am Saisonende wird er endgültig dem Ruf nach England folgen und den VfL verlassen. Das Gute: Trifft er weiter so, wird der VfL ihn nicht unter 30 Millionen Euro Ablöse ziehen lassen, vielleicht werden es sogar 40 Millionen. Und das sind Zahlen, die auch denen Spaß machen, die Fußball eher unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sehen.

Während der Profifußball weiter Ergebnisse, Zahlen und Statistiken produziert, wird ein paar Ligen tiefer noch darum gekämpft, die Saison weiterzuspielen. In der Oberliga, der fünfhöchsten Klasse, ist beispielsweise jetzt schon klar, dass auch der Corona-Notfall-Modus-Spielplan nicht funktioniert. Wir haben zusammengestellt, was das für die heimischen Teams heißt.

Apropos „nicht funktioniert“ - bei den Grizzlys Wolfsburg läuft der Magentasport-Cup alles andere als gut, nach dem Auftaktsieg gab es vier Pleiten in Folge. Der Wettbewerb ist so etwas wie eine als Spielbetrieb organisierte Vorbereitung auf die neue DEL-Saison, die am 17. Dezember startet. Und wenn das mit der geplatzten Generalprobe auch in Corona-Zeiten gilt, dann bin ich guter Dinge für Wolfsburgs Eishockey-Cracks…

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche

Rühens „ewiger Kapitän“ Fynn Jennerich und sein NHL-Traum
Frech und gesellschaftskritisch: VfL-Profi Anna Blässe zeichnet jetzt Comics
Bei 3:1-Sieg gegen Irland: VfLerin Wolter feiert ihr Nationalelf-Debüt
Krankenhaus statt Kreisklasse: Schumann verdankt Rettungskräften sein Leben
Wolfsburger Winterplan: Training an Neujahr und wohl keine Neuen
Mein Satz der Woche

„Wenn man 39 Tore in der Bundesliga für den VfL schießt, ist man eben ein richtiger Torjäger.“
Andrzej Juskowiak (39 Bundesliga-Tore für den VfL) über Wout Weghorst (39 Bundesliga-Tore für den VfL)

Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion

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