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WAZ-Fanpost - Rauschendes Radio und ordentliche Samstage

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Liebe Leserinnen und Leser,
…als guter Empfang noch nicht von irgendeiner Bandbreite abhing, sondern davon, ob das eigene Haus hoch genug war und vielleicht noch auf einem Hügel stand, damals also, im Paläolithikum der Übertragungstechnik, hat Kurt Brumme gerauscht. Denn der WDR, für den Brumme am Samstag die Übertragung der Fußball-Bundesliga moderierte, war in meinem Teil des NDR-Landes nur über Mittelwelle zu empfangen. Und Mittelwelle verhielt sich zum gängigen UKW-Empfang ungefähr wie Schalke 04 zu Tika-Taka-Fußball. Und trotzdem: Als ich – da muss ich etwa zehn gewesen sein – entdeckte, dass der Mittelwellen-WDR bereits zum Anstoß der Bundesliga-Spiele um 15.30 Uhr längst auf Sendung ist, während „mein“ NDR immer erst um 16 Uhr begann, war das damit verbundene Glück kaum kleiner als die Freude, die diese Woche im kalifornischen Pasadena herrschte, als dieses Mars-Dingens gelandet war. Und für das NASA-Kontrollzentrum gilt ja heute auch, was für mich damals vorm Radio galt: Wenn‘s klappt, nimmt man ein bisschen Rauschen bei der Übertragung gern mal in Kauf.
Samstag, 15.30 Uhr. Das ist und bleibt seitdem für mich und viele andere eine heilige Zeit. Es ist die Zeit, zu der Bundesliga-Spiele zu beginnen haben. Alles andere, ob Freitag oder Montag, ob 20.30 Uhr oder 18 Uhr, sind bestenfalls tolerierte Ausnahmen, deren Existenz mehr oder weniger schwach begründet werden kann. So gesehen, war der VfL Wolfsburg in dieser Saison ein Ausnahmeverein. Die Partie am Freitagabend bei Arminia Bielefeld ist bereits das 16. Wolfsburger Bundesliga-Spiel dieser Saison (von 22!), das gefühlt „irgendwann“ stattfindet und eben nicht zu der normalen Zeit, die für Fußball-Fans den Samstag strukturiert. Und das nicht nur für die, die gern im Stadion dabei wären und es momentan nicht können. Sondern für alle, bei denen die Bundesliga zwischen Autowaschen und Badewanne, zwischen Duschen und Disko oder zwischen Gartenarbeit und Samstagabendshow einen festen Platz hat. Der WDR brummt und rauscht nicht mehr, der NDR ist längst früher auf Sendung und viele von uns sitzen statt vor dem Radio dank Sky vorm Fernseher. Und doch: Dass der VfL von seinen noch zwölf ausstehenden Liga-Spielen mindestens acht an einem Samstag um halb vier austragen wird, bringt immer noch irgendwie Ordnung in die Welt. Und die ist ansonsten ja gerade auch so unordentlich genug. Wer sich an die NDR-Radio-Bundesliga-Sendung aus den 70ern und 80ern erinnern mag, dem sei übrigens dieser Song empfohlen.
Und so ganz nebenbei: VfL-Spiele am Samstag um 15.30 Uhr erleichtern auch denen die Arbeit, die darüber Berichte verfassen müssen – und froh sind, wenn zwischen Abpfiff und Redaktionsschluss ein bisschen mehr Zeit ist als die gute halbe Stunde, die uns nach 20.30-Uhr-Spielen bleibt.
Tagesabläufe jenseits des Gewohnten hat gerade auch Tobias Rau, Ex-Fußballprofi und Lehrer in der Nähe von Bielefeld. Statt morgens zur Schule zu fahren, macht er den Computer an – und unterrichtet via Bildschirm. Wie das für ihn ist und wie er das Spiel seiner Ex-Klubs Arminia und VfL Wolfsburg sieht, hat er uns im Interview verraten.
Dass Dinge manchmal gut sind, wenn alles einfach so bleibt, ist quasi auch das Motto für die Wolfsburger Eishockey-Meldung der Woche: Sebastian Furchner, Urgestein der Grizzlys, hängt noch eine weitere Saison dran. Im Gespräch mit meinem Kollegen Jürgen Braun hat er verraten, dass er sich vor der Entscheidung vor allem eine Frage gestellt hat: „Warum sollte man aufhören, wenn man noch spielen will?“ Und genau das ist die Frage, die sich nur ein paar Meter von der Wolfsburger Eis-Arena entfernt auch eine der erfolgreichsten Wolfsburger Sportlerinnen aller Zeiten gestellt hat. Wie Furchner kam auch Lena Goeßling zu der Erkenntnis, dass sie gern weiter spielen will. In ihrem Fall ging die Sache anders aus, denn der VfL wollte sie zwar gern behalten, allerdings nicht als Fußballerin. Warum das so ist, hat Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, sehr ausführlich erklärt. Und auch wenn man seine Argumente verstehen kann, bleibt am Ende die Erkenntnis: Es fühlt sich gut an, wenn einer wie Furchner bleibt. Und es fühlt sich gar nicht gut an, wenn eine wie Goeßling geht.
Ein Leben ohne Fußball – das ist für viele Amateurkicker seit Monaten Realität. Und es gibt viele Beispiele dafür, wie man die gewonnene Zeit nutzen kann. Auf ein ganz ungewöhnliches Beispiel ist mein Kollege Henning Kampen im Rahmen unserer Serie „Wie ist die Lage, Kapitän?“ gestoßen. Welchem besonderen Hobby der Mannschaftsführer des 1. FC Wolfsburg nachgeht und was es mit dem Instagram-Kanal „a.becker27“ auf sich hat, lesen Sie hier.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Erfolg macht die Wolfsburg-Stars begehrt: „Keiner hat eine Ausstiegsklausel...“
Wieder ins Nationalteam? Wolfsburgs Arnold: "Wenn nicht jetzt, wann denn dann?!"
Froberg & Filmburg: Wolfsburger produzieren neues Video-Format für die FIFA
Lupo verlängert Verträge mit 13 Spielern um Kapitän Sauss
Tischtennis: Heimische Vertreter zeigen Verständnis für Saisonabbruch
Mein Satz der Woche:

 „Man kann es nur dann so gut wie möglich machen, wenn man nicht allzu viel darüber nachdenkt, was einem im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fehlt.“
Tobias Rau, Ex-Fußballprofi und Lehrer, im AZ/WAZ-Interview
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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