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WAZ-Fanpost - Melodien für Millionen

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Liebe Leserinnen und Leser,
…wir müssen mal über Geld reden. Nicht über Ihres, natürlich, auch nicht über meines. Sondern über Geld und Profisport. Keine Angst, die Frage „Was verdienen Berufsfußballer?“ stellen wir jetzt nicht. Zumal ich das für eine zutiefst langweilige Frage halte, weil es ohnehin nur eine sinnvolle Antwort gibt: zu viel. Zumindest, wenn man moralisch-ethische Maßstäbe angelegt. Da unsere Welt aber nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage organisiert ist, gilt: Jeder kann das verdienen, was ein anderer ihm zu zahlen bereit ist. So funktioniert‘s. „Money Makes The World Go Round“, sang Liza Minelli in „Cabaret“. Eben.
Die Fußball-GmbH des VfL Wolfsburg hat in der Saison 2019/20 satte 21.022.000 Euro Miese gemacht. 21 Millionen. Wir haben am Montag darüber berichtet, an dem Tag hat die DFL die Finanzkennzahlen der Profi-Klubs veröffentlicht. Wichtig: Das sind über 23 Millionen weniger Minus als in der Saison davor. Ein guter Trend, das steht außer Frage – und wenn es darum geht, wie sich sportlicher und wirtschaftlicher Ertrag in den vergangenen Jahren zueinander verhielten, bleibt die Erkenntnis: Der VfL spielt statt gegen den Abstieg nun oben in der Bundesliga mit und gibt dabei weniger Geld aus. Statt „Money For Nothing“ (Dire Straits) also „Keep Your Eye On The Money“ (Mötley Crue). Fein. Aber: Können Sie sich unter 21 Millionen Euro etwas vorstellen? Löst das in Ihnen irgendwas aus? Fühlen sich 2,1 Millionen oder 210 Millionen irgendwie anders an? Nein? Für 21 Millionen könnte man sich 700 Golfs kaufen. Für 210 Millionen 7000 Golfs. Für 2,1 Millionen 70 Golfs. Ich kann mir keine 70 Golfs auf einem Haufen vorstellen, aber ich kann ausrechnen, dass ich rund 25.000 Euro Parkplatzgebühren im Jahr zahlen müsste, wenn ich 70 Golfs hätte. 25.000 Euro sind eine Zahl, mit der ich nun wieder einigermaßen klar komme, aber Sie erkennen das Problem: Man muss ziemlich unsinnige Gedankenspiele anstellen, um die Zahlen, mit denen da im Profifußball hantiert wird, halbwegs zu begreifen. „Oh Lord, Won‘t You Buy Me A Mercedes Benz“ (Janis Joplin) klingt griffig (auch wenn es aus Wolfsburger Sicht die falsche Automarke ist), dagegen wäre „Oh Herr, willst du mir nicht 70 Golfs kaufen“ doch irgendwie albern.
Jörg Schmadtke, so erzählte es mir neulich jemand, der bei VW mit Geld zu tun hat, braucht eigentlich gar keinen Controller, er passt schon ganz allein sehr gut aufs Geld auf. Das war schon zu merken, als Robin Knoche trotz aller Verdienste den Verein vor einem Jahr verlassen hat, das wird sich auch weiterhin bemerkbar machen – möglicherweise am Beispiel John Anthony Brooks. Der US-Verteidiger hat eine super Saison gespielt, aber seinen aktuellen Vertrag ausgehandelt, als „Money Changes Everything“ (Cindy Lauper) und „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“ (Gunter Gabriel) noch der Soundtrack der Wolfsburger Kaderplanung waren. Nun stehen Gespräche über seinen 2022 auslaufenden Vertrag an, und wahrscheinlich wird er weniger verdienen können als vorher. Wie viel weniger? Und wie viel hat er dann noch? Ich weiß es nicht, und es ist mir – siehe oben – auch egal. Es dürfte im Zweifelsfall für mehr als 70 Golfs reichen, und in jedem Fall reicht es für ein sattes „Ka-Ching!“ (Shania Twain) im eigenen Portemonnaie.
Genug vom Euro, reden wir über Mark. Das Das große Trainer-Karussell der Bundesliga hat seine aufregende Fahrt beendet, letzter Halt war Wolfsburg, wo Mark van Bommel neuer Chef-Übungsleiter wird. Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Doofe Idee – denn es ging fast nie gut, wenn Trainer oder Spieler kamen, deren Name größer war als der des VfL. Nun aber haben Manager Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie gute und zum Standort Wolfsburg passende Ideen entwickeln, also haben sie auch ein bisschen Vertrauen in diese Entscheidung verdient. Co-Trainer werden Michael Frontzeck und Kevin Hofland, auch das klingt erst einmal vernünftig, der eine kennt die Liga, der andere den VfL. Ob und wie sich das alles zusammenfügt, wie „stark“ van Bommel in diesem Konstrukt sein kann und sein muss, wird zu den spannenden Fragen der kommenden Saison gehören, in der sich der VfL zum dritten Mal einer ganz speziellen Herausforderung stellt. Denn so lukrativ die Champions League auch sein kann (ich rechne das jetzt nicht in Golfs um, aber es sind mehr als 700), so schwierig ist der Spagat zwischen der Geldmaschine Königsklasse und dem Liga-Alltag. „Money, Money, Money“ (Abba) ist eben nicht alles, schon gar nicht im Fußball. Denn käme nach einem glorreichen 1:1 gegen Real Madrid ein fades 0:2 gegen den FC Augsburg, würde „Can‘t Buy Me Love“ (Beatles) trotz seiner fröhlichen Melodie ganz schön traurig klingen.
Genug Ohrwürmer? Einen hab‘ ich noch: „She Works Hard For The Money“ von Donna Summer. Und damit sind wir bei der letzten großen sportlichen Entscheidung in Wolfsburg vor der Sommerpause: Die VfL-Fußballerinnen könnten am Sonntag Meister werden, wahrscheinlich ist das allerdings nicht – denn dazu müsste der FC Bayern gegen eine Frankfurter Eintracht verlieren, die seit dem verlorenen Pokalfinale gegen Wolfsburg Frust schiebt. Dass die Fußballerinnen weit weg sind von dem Geld, dass im Männerfußball verdient werden kann, ist eine Binsenweisheit. „Wenn die Männer mit dem Profisport aufhören, haben sie keine Sorgen und können ihr Leben so weiterführen, wie es ist. Ich habe aber keine Million auf meinem Konto und kann die Füße nicht hochlegen“, sagt VfL-Fußballerin Lena Goeßling in einem bemerkenswerten Interview, das unsere Kollegin Jasmina Schweimler mit der Ex-Nationalspielerin geführt hat und das Sie am Samstag in der AZ/WAZ und im SPORTBUZZER lesen können. Goeßling wird den Verein verlassen, andere auch, darunter mit Fridolina Rolfö und Ingrid Engen zwei, die voraussichtlich demnächst in Barcelona kicken, wo deutlich mehr Geld verdient werden kann als in der Bundesliga – aber natürlich in einer ganz anderen Größenordnung als bei den Männern. Und hier reden wir über Summen, die vorstellbar bleiben. Anders gesagt: Der Unterschied zwischen 5000 und 6000 Euro im Monat fühlt sich größer an als der zwischen 1 Million und 5 Millionen. In diesem Sinne: „Take The Money And Run“ (Steve Miller Band), vielleicht ja doch mit einem weiteren Titel im Gepäck.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Dank Werder und Schalke: Wolfsburg jetzt am viertlängsten in der Bundesliga
Otavio und seine Top-Saison in Wolfsburg: Mama ist wieder stolz!
Nach Eishockey-WM-Sieg jubeln auch die Grizzlys: "Geiles Ding, wir spielen um Medaillen!"
Tests, Impfung, Rückkehr der Fans - Grizzlys-Wolfsburg-Mediziner im Corona-Interview
Sieger der #GABFAF-Aktion: Beim TSV Ehmen steht jetzt ein schicker Kicker
Mein Satz der Woche:

Wir haben eine Tradition, auf die wir stolz sind.“
VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer über seinen Klub, der nun die viertlängste Ligen-Zugehörigkeit aller Erstligisten hat.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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