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WAZ-Fanpost - Grün und gut

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Liebe Leserinnen und Leser,
…lässt sich über Geschmack eigentlich streiten? Oder lässt sich über Geschmack eben nicht streiten? Und lässt sich nicht auch schon über diese Frage vortrefflich streiten? Dass Geschmäcker in jedem Fall verschieden sind, ist eine triviale Weisheit, an die man sich immer gern erinnert, wenn ein Bundesliga-Verein seine neuen Trikots vorstellt. Sind sie schick? Sehen sie doof aus? Sind sie okay, und man muss sich einfach nur dran gewöhnen? Mir persönlich ist es meistens relativ egal, in welchem Outfit der VfL Wolfsburg zu seinen Spielen aufläuft. Es gab Trikots, dir mir besonders gut gefallen haben. Das giftgrüne Jersey 1997 etwa oder das großartige X 2015, das etwas Eigenes hatte und den VfL-Look aus der Bundesliga-Masse hervorhob. Richtig hässlich war eigentlich nur das grün-weiß-blau gestreifte Auswärtstrikot 2016/17, weil es aussah wie ein Kinder-Schlafanzug. Aber selbst da konnte man sich mit dem billigsten Argument helfen, das es in Design-Diskussionen gibt: ist halt Geschmackssache.
Nun gibt es, wie in jedem Jahr üblich, einen neuen VfL-Dress. Der Verein stellt ihn am Freitag um 18 Uhr vor, am Wochenende werden die Männer und die Frauen darin bereits spielen, einen ersten Eindruck gibt es hier. Heim- und Auswärtstrikot sind im wesentlichen grün, das eine heller, das andere dunkler. Es gibt auch eine dritte Variante, ein Eventtrikot in hellblau – eine Farbe, die bei den Fans zumeist weniger gut ankommt, weil es eben weder grün noch weiß ist und damit mit den Vereinsfarben nicht mehr viel zu tun hat. Dass sich Vereins- und Trikotfarbe auch mal stark unterscheiden können, hat eine rund 45-jährige Tradition in der Bundesliga. 1976/1977 steckte der damalige HSV-Boss Peter Krohn seine Profis in pinke Trikots, und hätte es damals schon soziale Medien gegeben, wäre er dafür zerrissen worden. Krohn, der als einer der Ersten in Deutschland Marketing für einen wesentlichen Bestandteil des Profi-Fußballs hielt, fand die immer gleichen Farben schlicht langweilig – und hatte zudem die aus heutiger Sicht abstrus anmutende Idee, mit rosa Leibchen mehr Frauen ins Stadion zu locken.
Auf so einen Gedanken würde heute zum Glück niemand mehr kommen, und ansonsten gilt für Fußballer-Bekleidung auch beim VfL immer hoffentlich das, was ein Dosensuppen-Hersteller vor einigen Jahren als Werbeslogan hatte: Das Gute daran ist das Gute darin. Einer der Besten: Innenverteidiger Maxence Lacroix. Im Interview mit unserem Kollegen Engelbert Hensel spricht der Franzose über seine starke Saison – und über Wechselgerüchte.
In den VfL-Triktos 2020/21 jedenfalls steckten richtig gute Mannschaften, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Beide haben sich für die neue Champions-League-Saison qualifiziert, die einen werden Dritter oder Vierter, die anderen vielleicht Pokalsieger und möglicherweise sogar auch noch Meister. Die Männer haben zudem erstmals seit 2016 wieder einmal ein entspanntes Saisonfinale, denn gegen Mainz 05 geht es am Samstag weder um den Sprung ins internationale Geschäft noch um den Klassenerhalt. Ich finde das gut, dem einen oder anderen wäre vielleicht ein bisschen mehr Spannung lieber – auch das ist sicher Geschmackssache.
Wie man die anhaltende Diskussion um die Zukunft von VfL-Trainer Oliver Glasner bewertet, ist ebenso eine Frage der persönlichen Ansicht. Fest steht: Sie hat den sportlichen Leistungen der Mannschaft nicht geschadet. Und wie es Glasner schafft, die Fragen dazu elegant zu umdribbeln, ist auch schon so etwas wie eine respektable sportliche Leistung. Mehr als respektabel ist derweil die Saisonbilanz von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski. Seit ich mich für Fußball interessiere, habe ich immer wieder gehört, dass Gerd Müllers 40 Saisontore aus der Saison 1971/72 nie wieder erreicht werden können. Nun hat es einer geschafft. Wie sind die Leistungen von Müller und Lewandowski zu bewerten? Wir haben Experten gefragt – Torjäger aus dem Amateurfußball unserer Region.
Ein Experte eigener Art ist Rick Goldmann. Der ehemalige DEL- und NHL-Profi gehört als Sport1-Fachmann schon lange zu den Klartext-Rednern seiner Sportart – im Interview mit unserem Kollegen Jürgen Braun hat er das wieder einmal unter Beweis gestellt. Anlass war die Eishockey-WM, die heute in Riga startet, und bei der mit Dominik Bittner ein Spieler des deutschen Vize-Meisters Grizzlys Wolfsburg im Kader der deutschen Nationalmannschaft steht. Wem ohne Männerfußball-Bundesliga langweilig wird, sollte sich die TV-Termine vormerken, es könnte ein extrem spannendes Turnier werden.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Wolfsburg lässt Lacroix nicht gehen und plant mit MacNulty
Die Wolfsburg-Stürmer Ginczek und Klimowicz verbindet ein Schuh-Geheimnis
Hamann kritisiert Löw: Die beiden Wolfsburger fehlen im EM-Kader!
Impfen vor Olympia: Scoccimarro hat den Piks hinter sich, für Almas muss er in den Zeitplan passen
Grizzlys-Zugang Chris DeSousa: Spektakuläre Rauferei vor TV-Interview 
Mein Satz der Woche:

 „Jegliche Herausforderungen, die sich uns stellen, werden wir lösen.“
VfL-Manager Jörg Schmadtke zur Trainerdiskussion.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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