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WAZ-Fanpost - Glasner, Goethe & Gerüchte

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Liebe Leserinnen und Leser,
…natürlich haben wir alle in diesen Tagen gespannt nach München geschaut. Zum einen wegen der K-Frage, bei der das Gebaren der Unionsparteien den Verdacht nahelegt, dass das Land womöglich noch nicht bereit ist für eine männliche Bundeskanzlerin. Zum anderen wegen der T-Frage bei den Bayern und den Folgen. Was Markus Söder und Hansi Flick dabei eint: Beide kokettieren damit, dass ihre Zukunft auch woanders liegen könnte, beide lassen damit den Verdacht zu, ihrer aktuellen Aufgabe nicht mit der nötigen Demut und ihren Ehrgeiz nicht mit der oft eingeforderten Bescheidenheit zu versehen. Womöglich ist das eine bajuwarische Eigenart, die auch Zugezogene wie Flick übernommen haben. Der Goethe-Satz „Nur die Lumpen sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat“ soll jedenfalls zu den Lieblingszitaten von Franz Josef Strauß gehört haben.
Vom nach Strauß benannten Flughafen bricht der FC Bayern an diesem Wochenende zur Reise nach Wolfsburg auf, im Gepäck lauter Themen, die nicht direkt etwas mit dem Spiel am Samstag beim VfL zu tun haben. Dass Hasan Salihamidzic die Gelegenheit nutzt, um das Thema „Wie habe ich Erfolg, wenn ich mit dem Trainer nicht gut klarkomme?“ mal mit dem Experten Jörg Schmadtke zu besprechen, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist da schon, dass der Rekordmeister womöglich doch ein bisschen anfälliger ist als sonst. Nicht so sehr, weil die offene T-Frage die Spieler lähmt (das tut sie ja in Wolfsburg auch nicht), sondern weil die vielen Ausfälle auch eine Superstar-Truppe wie die Bayern schwächen. Allein dass Robert Lewandowski nicht dabei ist, steigert die VfL-Aussichten erheblich. 24 Tore schoss der Pole in 24 Karriere-Spielen gegen Wolfsburg, gab dazu acht Torvorlagen. Keinem anderen Verein war der Weltfußballer so gefährlich.
Was der VfL und die Bayern auf jeden Fall gemeinsam haben: Dass der aktuelle Trainer auch der Trainer in der kommenden Saison sein wird, ist nur eine von mehreren denkbaren Varianten. Oliver Glasner, so der Eindruck, lässt sich zunächst einmal alle Türen offen. Und er ist dabei in einer guten Position: Mit dem VfL spielt er eine überraschend erfolgreiche Saison, jedes Gerücht scheint den Marktwert des Trainers zu steigern. Allerdings – so mein persönlicher Eindruck – besteht für ihn durchaus die Gefahr, dass sein aktueller Verein das irgendwann als „Auf-der-Nase-herumtanzen“ interpretiert und ihm die Option Wolfsburg mittels Rauswurf einfach nimmt, egal wie erfolgreich die Saison ist oder noch werden mag. Was außerdem noch eine Rolle spielen dürfte: Der dritte oder vierte Platz, der für den VfL in dieser Saison drin ist, wird in der kommenden Spielzeit nur sehr schwer wiederholbar und trotzdem die Messlatte für alle Beteiligten sein. Auch für den Trainer.
Dass die Bayern aktuell zumindest ein wenig verwundbar scheinen, der VfL aber trotz der 3:4-Niederlage in Frankfurt immer noch sehr stabil wirkt, nährt die Hoffnung auf eine Überraschung. Vier Mal erst hat der VfL Bundesliga-Siege gegen Bayern erlebt, und dass wir Sieg Nummer 5 durchaus für möglich halten, zeigt eine Geschichte, die Sie am Samstag in der AZ/WAZ und im Sportbuzzer lesen können: Unter der Überschrift „Bayern schlagen? Geht!“ erinnern sich vier Ex-Wolfsburg-Profis an jeweils einen Sieg gegen den Rekordmeister.
Auch in der Bundesliga der Frauen gehen die Blicke nach München. Denn im Fernduell mit dem VfL Wolfsburg um die deutsche Meisterschaft haben die Bayern-Fußballerinnen eine Aufgabe zu lösen, bei der durchaus Stolpergefahr besteht – die Liveübertragung des Spiels am Samstag um 18.30 Uhr auf Eurosport ist darum ein echter TV-Geheimtipp. Natürlich nur, falls Sie nicht gleichzeitig in der Sportschau noch mal den Sieg der VfL-Männer gegen die Bayern-Männer begutachten wollen…
Derweil biegt die Eishockey-Saison in der DEL auf ihre Zielgerade ein, die Grizzlys Wolfsburg brauchen aus den beiden letzten Spielen der Hauptrunde – beide kurioserweise gegen Straubing – wohl noch einen Sieg, um die Play-Off-Teilnahme zu sichern. Die wäre wichtig, vor allem für Trainer Pat Cortina, über den schon während der gesamten Spielzeit immer mal wieder diskutiert wird. Auch, weil er oft (zu) ruhig an der Bande steht. Dass das nicht immer so war, und wie sich der Ex-Bundestrainer verändert hat, hat unser Kollege Jürgen Braun in einem sehr lesenswerten Porträt aufgeschrieben.
Ein eher ungewöhnliches Zeichen in Sachen Trainer hat derweil ein Kreisklassen-Klub aus dem Kreis Gifhorn gesetzt. Während in Corona-Zeiten die Planungen oft auf Sicht und bestenfalls mittelfristig erfolgen müssen, hat der SV Dannenbüttel mit seinen Übungsleitern mal eben eine Zusammenarbeit bis 2025 (!) vereinbart. Welche Gründe es dafür gibt, lesen Sie hier.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Verrückt: Bundesliga-Verein wird Trikot-Sponsor bei US-Klub!
Corona-Wirbel um Weghorst: Für Wolfsburgs Manager "ist die Sache vom Tisch"
Nach seiner Vertragsverlängerung: Wolfsburgs Klinger träumt vom Bundesliga-Debüt
Stark und schön! Wolfsburgs Judo-Ass Scoccimarro zeigt sich, wie man sie selten sieht
Spenden-Lauf gestartet: Fallersleber Fußballer suchen Teams, die sich beteiligen
Mein Satz der Woche:

„Du kannst heute etwas mit voller Überzeugung sagen, und morgen ist es plötzlich anders - und dann wirst du vielleicht als Lügner dargestellt.“
VfL-Trainer Oliver Glasner
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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