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WAZ-Fanpost - Geisterspiele & Chefs zum Liebhaben

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Liebe Leserinnen und Leser,
…dass Erfolg keine Garantie dafür ist, dass alles beim Alten bleibt, ist eine Binsenweisheit, die nicht nur für den Fußball gilt. Und oft genug ist es sogar sinnvoll, Dinge zu verändern, wenn alles gerade super läuft – statt unter dem Druck des Misserfolgs handeln zu müssen. Der FC Bayern, Maßstab für Erfolg in Deutschland, hat das über Jahrzehnte immer wieder hinbekommen, vor allem, wenn es um seine Top-Spieler ging. Roy Makaay, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger – um nur drei zu nennen – waren irgendwann weg und es kamen neue Spieler, die weniger Erfolge in der Vergangenheit, aber ausreichend Hunger auf Erfolge in der Zukunft hatten.
Beim VfL Wolfsburg lassen sich für diesen Blick auf die Dinge Beispiele auf der Trainer-Position finden. Als es mit Lorenz-Günther Köstner gut lief, kam Dieter Hecking – und machte den VfL zum Vizemeister und Pokalsieger. Als es mit Bruno Labbadia gut lief, kam Oliver Glasner – und machte den VfL zum Champions-League-Kandidaten. Nun könnte es passieren, dass Glasner mittels einer Ausstiegsklausel früher als gedacht den Verein verlässt. Und dann würde ein neuer Trainer kommen, was kein Weltuntergang wäre.
Kleines Gedankenspiel: Jesse Marsch, aktuell Coach bei RB Salzburg, wird am Sommer Trainer in Mönchengladbach. Dort gilt auch der Schweizer Gerardo Seoane als Kandidat. Würde Gladbach sich für Marsch entscheiden, könnte Glasner bei seinem Ex-Klub Salzburg Chefcoach werden. Und Seoane neuer Trainer beim VfL. Dass den in Wolfsburg fast niemand kennt, ist nicht schlimm – auch der Name Glasner sagte hier fast keinem etwas, bevor er sein Amt antrat.
Das ist natürlich alles komplette Spekulation, die noch nicht einmal berücksichtigt, dass auch bei anderen Bundesliga-Klubs interessante Trainer-Posten für Glasner frei werden könnten. Aber Spekulationen machen einen nicht geringen Teil des Spaßes aus, den wir alle am Bundesliga-Fußball haben. Mein persönlicher Eindruck: Die Wahrscheinlichkeit, dass Glasner am Saisonende geht, liegt bei 50/50. Führt er den VfL tatsächlich in die Champions League, dürfte die Lust bei ihm groß sein, die Mannschaft auch in der Königsklasse zu betreuen. Und die Tatsache, dass er und Manager Jörg Schmadtke seit dem Transfer-Zoff im Herbst keinen wirklich guten Draht zueinander haben, fällt dann nicht mehr so sehr ins Gewicht – zumal sich ja auch weiterhin zeigt, dass man sportlich erfolgreich sein kann, wenn Trainer und Manager nur professionell und nicht wirklich herzlich miteinander umgehen. Ich selbst hatte in meiner beruflichen Laufbahn meine Chefs auch nicht immer lieb, kam aber in der Regel sehr gut mit ihnen aus.
Man mag sich gar nicht vorstellen, dass es der VfL tatsächlich in die Champions League schafft und dann ohne Fans spielen muss. Aber als vor fast auf den Tag genau vor einem Jahr in Wolfsburg das Bundesliga-Spiel gegen Leipzig stattfand, hat sich auch niemand vorstellen können, dass das für sehr lange Zeit die letzte Partie vor leeren Rängen sein wird. Aus Anlass des „Geisterspiel-Jubiläums“ haben wir Menschen rund um den VfL gefragt, wie sich das Jahr für sie angefühlt hat – vom Trainer bis zum Fan, vom Ordner bis zum Stadionsprecher. Wie ihr Zwischenfazit ausfällt, lesen Sie am Samstag in der AZ/WAZ und im SPORTBUZZER. Über allem steht natürlich die Frage: Wie geht es weiter? Zuschauermassen in den Stadien wird es so schnell nicht wieder geben – und der Profifußball muss weiterhin jeden Tag dafür arbeiten, dass er überhaupt weiterspielen darf. Die Absage des DFB-Pokal-Spiels zwischen Regensburg und Bremen – wegen mehrerer Corona-Fälle beim Zweitligisten – zeigt, wie fragil dieses Geisterspiel-Konstrukt trotz der Hygiene-Konzepte nach wie vor ist.
Die Amateurkicker stehen derweil weiter vor der grundsätzlichen Frage, ob sie überhaupt bald wieder spielen können, auch in Wolfsburg und im Kreis Gifhorn. Sollte der Spielbetrieb tatsächlich erst im Mai starten, wird’s schwierig, überhaupt noch eine vernünftige Saison durchzuziehen – wir haben die Problemlage unter anderem mit den Spielausschuss-Vorsitzenden der beiden heimischen Fußball-Kreise erörtert.
Der „kleine“ Fußball hat weiter Sorgen, der „ganz kleine Fußball“ - nämlich der Tischfußballsport – plant derweil einen Weltrekord. Unser Amateurfußball-Bündnis #GABFAF verschenkt aus diesem Anlass hochwertige Kicker-Tische an Vereine – im Rahmen einer tollen Aktion, deren Details Sie hier finden.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Gegentor nach 818 Minuten: Wolfsburgs Serie und die Pokal-Träume enden in Leipzig
Videogruß mit speziellem Hintergrund: Hildebrand fiebert mit Wolfsburgs Rekord-Jäger Casteels
Neunter Sieg in Folge! Rekord eingestellt! Grizzlys Wolfsburg schlagen Krefeld 5:2
Bei Wolfsburgs Frauen wächst mit Pajor die Hoffnung auf mehr Tore
Das Ende einer Ära: Trainer Schmidt verlässt Platendorf nach zwölf Jahren
Mein Satz der Woche:

 „In einem vollen Stadion muss ich den Ball nicht sehen, um zu wissen, wo er ist.“
Georg Poetzsch, VfL-Stadionsprecher, über die fehlende Geräuschkulisse bei Geisterspielen.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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