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WAZ-Fanpost - Aufmerksamkeit & Ausstiegsklauseln

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Liebe Leserinnen und Leser,
…eine Bäckerei stellt Brot her, eine Rock-Band stellt Musik her, eine Schuhfabrik stellt Schuhe her, eine Molkerei und RTL 2 stellen Käse her. Aber was stellt eigentlich ein Profifußball-Verein her? Wie schafft er einen Mehrwert, der ihm Gewinn beschert? Das Treten eines Balles, und mag es noch so kunstvoll sein, erzeugt für sich genommen keinen solchen Mehrwert, eher im Gegenteil - so ein Ball geht ja auch irgendwann kaputt. Das vermarktbare Produkt, das von Bayern München über den VfL Wolfsburg bis zum SV Sandhausen alle professionellen Klubs erzeugen, ist Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die man verkaufen kann – ans Fernsehen, an Sponsoren. Die Emotionalität, die der Fußball dabei schafft, ist quasi Teil dieses Produktionsprozesses. Wer als Fan seinen Verein liebt, schaut genau hin: auf das Dribbling, auf den Torabschluss, auf Transfergerüchte, auf die Werbebande, auf das Pay-TV-Programm.
Tore, Siege, die Verpflichtung eines neuen Top-Spielers: Das alles schafft aus Sicht der Vereine „schöne“ Aufmerksamkeit. Und es gibt eben auch Niederlagen, Skandale, Trainer-Rauswürfe, Abstiege, verpasste Chancen. Das ist weniger schön, aber auch Teil der emotionalen Bindung – bei einem Verein wie Schalke 04, so hat man den Eindruck, ist dieses „Leiden“ manchmal sogar der Markenkern. Was gerade rund um den VfL Wolfsburg passiert und sich in der Begleitung durch uns und viele andere Medien widerspiegelt, ist auch Teil dieser Aufmerksamkeits-Ökonomie: Bleibt Trainer Oliver Glasner? Zieht er seine Ausstiegsklausel? Und warum? Wohin könnte er wechseln? Wie reagiert dann der Verein? Diese Themen sind offenbar spannender und interessanter als andere – das können wir anhand der Abrufe unserer Online-Angebote mittlerweile ziemlich genau messen.
Dass Glasners Zukunft so viel Aufmerksamkeit bekommt, hatte in dieser Woche zudem zwei Gründe: Zum einen sind spektakuläre Trainer-Entscheidungen anderswo gefallen – bei Bayern München, bei RB Leipzig und in Salzburg. Oft verbunden mit Transfersummen, die man zumindest für Trainer so noch nicht kannte. Und weil der Markt der Übungsleiter in diesen Tagen so dynamisch ist wie wohl noch nie, hängt an jeder Verkündung immer die Frage: Was ist der nächste Schritt? Wer setzt sich auf den gerade frei gewordenen Stuhl? Erstaunlich übrigens, dass ein renommierter Trainer wie Lucien Favre dabei eher selten ins Spiel zu kommen scheint. Aber das nur nebenbei. Der andere Grund: An diesem Wochenende pausiert die Liga wegen der Halbfinal-Spiele im DFB-Pokal. Das schafft Freiraum, sich um andere Dinge zu kümmern. Etwa um einen neuen Trainer. Oder um einen neuen Verein. Oder eben um die mediale Begleitung des Ganzen. Kurzum: Um Aufmerksamkeit herzustellen.
Um Aufmerksamkeit wird es in der kommenden Woche auch wieder im Frauenfußball gehen – denn das Spiel der Spiele steht an. Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern stehen sich am drittletzten Spieltag der Saison zum wohl entscheidenden Duell um die Meisterschaft gegenüber. Dass Dauer-Meister Wolfsburg in dieser Partie die Chance hat, dem FCB die Tabellenführung abzujagen, schien vor wenigen Wochen noch extrem unwahrscheinlich. Jetzt aber ist die Gelegenheit da. Wie Kapitänin Alexandra Popp das mit der VfL-Mannschaft angeht, wie sie die Rolle des Jägers sieht und warum sie das Wort „Wachablösung“ nicht mag, hat sie unserer Kollegin Jasmina Schweimler in einem bemerkenswert offenen Interview verraten.
Aufmerksamkeit verdienen in diesen Tagen auch die Eishockey-Spieler der Grizzlys Wolfsburg. Ihre Sportart, in Hallen und mit großen Kadern ausgeübt, hat eine Corona-Saison unter besonders schweren Bedingungen nun fast bis zum Ende durchgezogen. Und das Wolfsburger Team, das durch viele sportliche Wellentäler gehen musste, scheint auf den Punkt genau da zu sein, hat heute Abend die Chance, ins DEL-Finale einzuziehen und eine bemerkenswerte Tradition fortzusetzen. Denn Play-Off-Duelle werden im Eishockey immer in einer Serie von Spielen entschieden. Mal muss man vier Mal denselben Gegner schlagen, mal drei Mal, mal zwei Mal – der Modus hat in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ligen immer mal wieder gewechselt. Wenn nur zwei Siege nötig sind, und wegen des engen Corona-Zeitplans ist das in dieser Saison in allen Runden der Fall, haben sich die Grizzlys in ihrer Vereinsgeschichte immer durchgesetzt. Bleibt das so, ziehen die Wolfsburger nicht nur gegen Mannheim in die Finalserie ein, sondern werden spätestens am kommenden Freitag deutscher Meister sein.

Was war sonst? Unsere fünf Themen der Woche:

Mbabu: Auch in der Mannschaft ist die Trainerdiskussion Thema
Neue Trikots: Das X verschwindet, Premiere im Saison-Finale
Ex-Wolfsburg-Profi Hofland über VfL-Kandidat van Bommel: "Mark will immer Vollgas"
VfL Nachwuchs-Chef Thiam: Durch Corona gehen uns keine Talente flöten
Mein Satz der Woche:

Die Preise steigen gerade, wie man sieht. “
Dortmund-Manager Michael Zorc über einen möglichen Wechsel von Trainer Edin Terzic nach Wolfsburg.
Ich wünsche Ihnen eine sportliche Woche!
Andreas Pahlmann
AZ/WAZ-Sportredaktion
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